Rekonstruktion der Bekrönung des Grabmals (wikipedia)
Rekonstruktion der Bekrönung des Grabmals (wikipedia)
Eines der Schiffe im Rheinischen Landesmuseum Trier
Eines der Schiffe im Rheinischen Landesmuseum Trier
Umzeichnung eines Reliefs aus Avignon
Umzeichnung eines Reliefs aus Avignon
Umzeichnung eines Sockelreliefs von der „Igeler Säule“ (Pfeilergrabmal um 250 n. Chr.) aus Igel an der Mosel
Umzeichnung eines Sockelreliefs von der „Igeler Säule“ (Pfeilergrabmal um 250 n. Chr.) aus Igel an der Mosel
Modell eines Flusskriegsschiffe der Römischen Marine - zum  Warentransport nicht geeignet
Modell eines Flusskriegsschiffe der Römischen Marine - zum Warentransport nicht geeignet

Römische Weinschiff

 

Die Figur des römischen Weinschiffs wurde von Ulrich Lehnart (Fußbrettkürzel UL) graviert. Über den früher sehr aktiven Sammler Prof. Gerteis kam die Form in den Bestand der KLIO, der sie uns überließ. Auf dem Fußbrettchen ist außerdem auf einer Seite vermerkt: KLIO Saar-Mosel + Vereinigte Volksbank Cochem Trier 1984.

 

Die Figur wurde nach der Schiffsabbildung auf dem Grabmal eines Weinhändlers aus Noviomagus (Neumagen bei Trier) aus der Zeit um 220 n Chr. (s. Bild) geschaffen. Die antike Plastik war Teil der Bekrönung des Grabmals .

 

Die Darstellung des Schiffs auf dem Grabmal hat mehrere Auffälligkeiten:

  • Die Anzahl der Menschen auf dem Schiff (gubernator, proretor und 6 remiges) passt nicht zu der Größe des dargestellten Kriegsschiffs und der Anzahl der Riemen.
  • Das Schiff ist im Verhältnis zur Länge zu hoch (verglichen mit anderen antiken Darstellungen des Schiffstyps, vgl. Ronald Böckius, Schifffahrt und Schiffbau in der Antike, Stuttgart: Konrad Theiss Verlag, 2007).
  • Die Bekrönungen von Bug und Heck sind Tierköpfe, was sehr ungewöhnlich ist.
  • Die Ladung ist offenbar an Deck verstaut und nicht im Inneren des Schiffs.
  • Sie besteht aus vier Fässern, die im Verhältnis zum Schiff riesig sind, viel größer als bekannte römische Fässer.
  • Die Mosel war vor ihrer Kanalisierung ein Wildfluss. Damit ist das Schiff viel zu hochbordig für ein Flussfahrzeug, denn es gibt ja keinen wesentlichen Wellengang, allenfalls stehende Wellen und Schwallstrecken. Auch hatten römische Schiffe dieser Bauart ein rundes Unterwasserschiff, waren also relativ instabil für einen Transport schwerer Lasten an Deck.

Man kann dafür einige Erklärungen finden:

  • Die Anzahl der Rojer könnte der Bedeutungsperspektive geschuldet sein, ebenso die Größe der Fässer.
  • Dass die Rojer in Fahrtrichtung blicken, lässt vermuten, dass sie die Technik des Stoßruderns verwenden (wie bei einer Venetianischen Gondel) oder dass die Männer zum Deckpersonal gehören und die Rojer sich unsichtbar unter Deck befinden.
  • Das Verhältnis von Länge und Höhe des Schiffs erklärt sich durch die Maße des Grabmals und die Funktion als Bekrönung.

Man darf also annehmen, dass die Darstellung nicht "wörtlich" zu nehmen ist, sondern wie oftmals bei Kunstwerken eher "symbolisch" (richtiger "allegorisch" oder "metaphorisch") wie folgt zu verstehen ist:

  • Dargestellt ist der Transport von Wein auf der Mosel. Die Anzahl der Fässer bedeutet, dass erhebliche Mengen von Moselwein nach Koblenz verschifft wurden. Dadurch war der Winzer zu Reichtum gelangt und konnte sich ein so stolzes Grabmal leisten.
  • Dass die Fässer auf Deck liegen (trotz der statischen Probleme), ist der Tatsache geschuldet, dass sie auf dem Grabmal sichtbar sein müssen.
  • Der Schiffstyp soll andeuten, dass der Händler das römische Militär moselabwärts beliefert hat. 
  • Ein für die Fahrt auf dem Wildfluss Mosel geeigneteres Schiff in Kanubauart hätte der Bedeutung des Weinhändlers nicht entsprochen. Diese Boote wurden flussabwärts gepaddelt und flussauf getreidelt.
  • Es gab auch römische Flussboote, die gerudert wurden. Nach Funden (Oberstimm) wurden mehrere rekonstruiert. Sie sahen etwa so aus wie das  Modell der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen:

 

 

 

 

 

 

 

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung von Friedrich Giesler, der teileweise aus seinem Buch "Römer in Zinn" schöpfen konnte.  



Hier einige Beispiele der Bemalung und Darstellung in Dioramen, gerne nehmen wir auch Ihre Ausführung in die Liste auf .....